Der Ottobrunnen in Pyritz.
1824 errichtet an der Stelle, wo der Überlieferung nach Bischof Otto von Bomberg 1124 die ersten Pommern taufte.

Die Christanisierung Pommerns.

Die Ausbreitung des von Polen aus ins Land gekommenen Christentums war ins Stocken geraten, da polnische Christliche sich nicht bereitgefunden hatten, die christliche Lehre im Lande der Pommern, das damals als wild und unkultiviert verrufen war, zu verkünden. Da übernahm Bischof Otto von Bamberg, der Beziehungen zum polnischen Herzogshause hatte, diese Aufgabe. Nach umfassenden Vorbereitungen zog er im Frühjahr 1124 mit mehreren deutschen Geistlichen und großem Gefolge zunächst nach Polen, wo er polnische Begleiter. erhielt, so daß er als Bevollmächtigter des Polenherzogs in Pommern erscheinen konnte. Er wurde vom Pommernherzog Wartislaw, der im geheimen bereits der christlichen Lehre anhing, wohlwollend aufgenommen, und konnte in Pyritz und Kammin die ersten Taufen vollziehen. Durch taktvolles Eingehen auf die Sitten des Volkes beseitigte Otto die Widerstände, die ihm besonders in Wollin und Stettin auf seiner weiteren Fahrt bereitet wurden. Er setzte seinen Zug bis Kolberg und Belgard fort und konnte in mehreren Orten Kirchengründungen vornehmen. Unter Zurücklassung einiger weniger deutscher und polnischer (geistlicher kehrte er zu Ostern 1125 in die fränkische Heimat zurück.

Doch bald machte sich in dem neu erschlossenen Missionsgebiet eine starke heidnische Gegenbewegung geltend, die das Erreichte in Frage stellte. Daraufhin entschloß sich Bischof Otto im Jahre 1128 noch einmal, in das Land am Meer zu ziehen Er fand dieses Mal die besondere Unterstützung des deutschen Königs Lothar und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg, und zog durch Sachsen und Brandenburg zunächst an die Peene. In Demmin dann in Usedom, Gützkow und anderen Orten des liutizischen Gebietes wirkte er erfolgreich als "Pommernapostel". Durch einen Beschluß der Großen des Landes wurde den deutschen Missionaren das Predigen ausdrücklich gestattet. Nachdem der Bischof eine von Polen her drohende Kriegsgefahr abzuwenden verstanden hatte, konnte er auch in Stettin, Wollin und Kammin den Widerstand der heidnischen Priesterpartei brechen. Damit war in Vor- und Hinterpommern ein fester Grund zum Christentum gelegt, und nicht nur das, auch deutsche Art und Kultur fingen an, in Nachfolge verklungenen germanischen Wesens, wieder ihren Einzug im Lande zu halten.

Zunächst brachte die Ordnung der kirchlichen Verhältnisse noch mancherlei Wirren, da verschiedene Diözesen (Magdeburg, Gnesen) Ansprüche auf die neue Kirchenprovinz erhoben. Erst nach dem Tode des Bischofs Otto (1139) wurde durch eine päpstliche Bulle vom 14. Oktober 1140 ein unabhängiges pommersches Bistum mit dem Sitz in Wollin, dem alten wikingisch - slavischen Jumne, errichtet. Doch konnten die Grenzen des Bistums noch nicht festgelegt werden, dessen Lage daher vorläufig höchst unsicher blieb.

Dazu wurde das Land in der folgenden Zeit in mancherlei kriegerische Verwicklungen hineingezogen. Herzog Boleslaw von Polen hatte zwar 1135 von Kaiser Lothar die Anerkennung seiner Herrschaft über das östliche Pommern erhalten; als aber nach seinem Tode (1138) das polnische Herzogtum auseinanderfiel, wurde auch Pommern wieder selbständig. Dafür wurde jetzt der deutsche Druck von Westen her immer stärker, vor allem, seitdem Markgraf Albrecht von Brandenburg seine Herrschaft über die Elbe bis an die Oder vorzuschieben begann und Ansprüche auf das Grenzgebiet erhob. Wie ungeklärt die Verhältnisse waren und wie sehr kulturpolitische und machtpolitische Ziele sich noch durchkreuzten, läßt sich daraus ersehen, daß man im "Wendenkreuzzug" von 1147 auch gegen Demmin und Stettin vorging, wo das Christentum bereits Eingang gefunden hatte. Damals wurden auch die ersten pommerschen Klöster gestiftet, in Stolpe an der Peene und in Grobe auf Usedom. Die deutschen Benediktiner- und Prämonstratenser-Mönche, die hier einzogen, stärkten das deutsche Element im Lande, das sich gegen dänischen Einfluß zu behaupten hatte.

Die dänischen Eroberungsabsichten an der pommerschen Küste zielten im 12. Jahrhundert vor allem auf Rügen, wo der Stamm der Ranen unter Führung einer mächtigen Priesterschaft seine heidnische Religion noch unverändert bewahrte. Christianisierungsbestrebungen und Abwehr lästiger Seeräuberei trieben den König Waldemar von Dänemark (1157-1182) zu oft wiederholten

Eroberungsversuchen, die ihm jedoch vorläufig fast nur Niederlagen und Verluste brachten. Er fand daher einen willkommenen Bundesgenossen in Heinrich dem Löwen, der im Kampf mit den Obotriten durch Mecklenburg bis nach Vorpommern hinein erobernd vorgerückt war und sich nun ebenfalls mit den Ranen auseinanderzusetzen hatte. Beide gerieten dabei in starken Gegensatz zu den Pommernfürsten Bogislaw und Kasimir, die aus Besorgnis vor der wachsenden Macht der Deutschen und Dänen den wendischen Nachbarn in Mecklenburg und Vorpommern beistanden. Man brachte auch dem sächsischen Heere bei Verchen 1164 eine Niederlage bei, aber die Pommernfürsten mußten dennoch die dänische Oberhoheit über das Land Wolgast anerkennen und sich dem Einfluß Heinrichs des Löwen beugen. Waldemar zwang sie sogar, an dem Kriegszuge teilzunehmen, den er 1108 mit großer Macht gegen Rügen unternahm. Es gelang endlich, Arkona, die starke Hauptburg der Ranen mit dem stolzen Heiligtum des Swantewit, zu zerstören. Damit fiel der letzte starke Sitz des wendischen Heidentums, und als auch die anderen rügenschen Burgwälle erobert worden waren, mußten die Ranen das Christentum annehmen und die dänische Oberhoheit anerkennen. Seit dieser Zeit ist die Insel zunächst staatsrechtlich, dann Jahrhundertelang kirchlich mit Dänemark verbunden gewesen.

König Waldemar ging auch gegen die Pommernfürsten mit Waffengewalt vor und hat Sie sich wohl für kurze Zeit unterworfen. Doch trat ihm nun Heinrich der Löwe entgegen. Nach dessen Sturz belehnte Kaiser Friedrich I. den Pommernherzog Bogislaw 1181 mit seinem Lande und erkannte ihn als Reichsfürst an. Damit war ein engerer Anschluß Pommerns an das Reich angebahnt. Dänemark übte freilich immer noch großen Einfluß auf das vor- und mittelpommersche Gebiet aus und legte in "Wieken" einzelne Niederlassungen an. So waren es auch dänische Mönche, die 1173 das von Angehörigen des pommerschen Herzogshauses gegründete Zisterzienserkloster Kolbatz besetzten und von hier aus die Christianisierung und Kultivierung des fruchtbaren Weizacker-Gebietes betrieben, wobei Sie sich allerdings deutscher Bauern bedienten. Schwieriger und langwieriger war die Einführung des Christentums im östlichen Pommern, obwohl die Bischöfe, deren Sitz um 1187 nach Kammin verlegt wurde, sich darum bemühten. Hier hielt sich auch, im Anschluß an das benachbarte Polen, das Slaventum in Sitte, Sprache und Kultur noch längere Zeit.