Der Neuaufbau Pommern unter
Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen.

Die kriegerischen Unternehmungen des jungen Schwedenkönigs Karls XII. rissen Pommern erneut in den Sturm der europäischen Kriegsereignisse. Sachsen, Polen, Russen und Dänen besetzten 1711 das schwedische Vorpommern und begannen im August 1713 Stettin zu belagern. Nach kurzer Beschießung ergaben sich die Schweden, doch erfolgte die Übergabe der Stadt auf Grund vorher getroffener Abmachungen nicht an die Verbündeten, sondern an König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, dem außerdem das ganze Gebiet zwischen Oder und Peene zur vorläufigen Verwaltung überlassen wurde. Als Karl XII., der nach jahrelanger Abwesenheit 1714 wieder im Lande erschien, diese Abmachung nicht anerkannte, eroberten die Preußen weitere Teile Vorpommerns mit Rügen und Stralsund. Erst nach dem Tode des Schwedenkönigs kam zu Stockholm der Friede zustande (1720), in dem Mittelpommern bis zur Peene endgültig an Preußen abgetreten wurde.

Friedrich Wilhelm I. hat mit der Erwerbung Stettins und der Odermündungen den Grund gelegt zu einem neuen Aufschwung Pommerns. In richtiger Erkenntnis der für den preußischen Staat ungeheuren Wichtigkeit dieses Besitzes, der ihm die Teilnahme am "Welt-Commercio" sicherte, griff der König tatkräftig in die Verhältnisse Pommerns ein, um es seinem neu geordneten Staate einzugliedern. Neu eingesetzte Verwaltungs- und Gerichtsbehörden mußten das Steuerwesen regeln, die Domänen zu Musterbetrieben umgestalten, das Schulwesen verbessern und den Städten feste "rathäusliche Reglements" geben. Eifrig wurde der Neuaufbau der verfallenen Städte betrieben, vor allem der Stettins, das zu einer sehr starken Festung umgestaltet wurde, von der heute noch die beiden Prunktore, das Berliner und das Königstor, zeugen. Der König, der sich persönlich um alles kümmerte und auf häufigen Reisen die genaue Ausführung seiner Anordnungen nachprüfte, bemühte sich mit Erfolg um eine allgemeine Hebung des Wirtschaftslebens auf der Grundlage des damals üblichen Systems des Merkantilismus. Der See- und Landhandel wurde gefördert und der Grund zu einer Industrie gelegt. Auch der Bauern nahm er sich an, so durch Aufhebung der Leibeigenschaft auf den Domänen und durch Bekämpfung des vom Großgrundbesitz mit Vorliebe geübten "Legens der Bauern". In großem Maßstabe wurde Land urbar gemacht. War auch in mancher Hinsicht das Regiment des absoluten Herrschers für die Untertanen hart und schwer, so erkannte man doch allgemein, daß die neuen Einrichtungen segensreich waren und daß es mit dem Lande wieder aufwärts ging. Selbst in dem bisher arg vernachlässigten östlichen Hinterpommern trug die segensreiche Tätigkeit Friedrich Wilhelms I. allmählich ihre Früchte.

Denkmal Friedrich Wilhelm I. in Köslin..
1724 errichtet.

Das Werk des Vaters setzte Friedrich Wilhelms großer Sohn, Friedrich II., auch in Pommern fort, dessen Landeskinder er als Soldaten sehr hochschätzte. Allerdings blieb Pommern auch unter seiner Regierung nicht von Kriegsnöten verschont. Im Siebenjährigen Kriege fielen Schweden und Russen wiederholt in pommersches Gebiet ein, um zu plündern und zu brandschatzen. So erschienen in den Jahren 1757 bis 1762 fast regelmäßig russische Truppen in Hinterpommern und in der Neumark; sie hatten es vor allem auf Kolberg abgesehen, das Sie zweimal vergeblich belagerten, aber beim dritten Angriff 1761 zur Übergabe zwangen.

Friedrich der Große setzte alles daran, die Kriegsschäden in Pommern so schnell wie möglich wieder auszugleichen. Besonders förderte er die Landwirtschaft, die in einzelnen Teilen des Landes schweren Schaden gelitten hatte. Gut beraten von seinem Finanzrat Franz Balthasar v. Brenckenhoff, schuf er durch ausgedehnte Kulturarbeiten, Trockenlegungen und Urbarmachungen neues Ackerland, das Tausende von Ansiedlern, die in anderen deutschen Ländern besonders dafür angeworben wurden, in Kultur nehmen mußten. Mehr als 150 Dörfer und Kolonien sind damals entstanden. Durch Vorschüsse, Anleihen und Geldunterstützungen wurden diese großzügigen Unternehmungen finanziert. Nebenher gingen planmäßige Bestrebungen zur Hebung der Viehzucht und zur Einführung neuer Kulturpflanzen, beispielsweise der Kartoffel, der Lupine und des Hopfens. Dagegen war Friedrich in seinem Bemühen, dem Bauernstande wieder aufzuhelfen, weniger erfolgreich, denn die Ritterschaft, die ohne die Dienste der Untertanen nicht auskommen zu können erklärte, folgte seinem mit den Domänenbauern gegebenen Beispiel nicht.

Das Berliner Tor in Stettin.
Errichtet 1725-1740 als Festungstor durch König Friedrich Wilhelm I., von G. K. v. Walrave.

Auch Industrie, Handel und Gewerbe zog der König in seinen Wiederaufbauplan; manche Fabrikanlage erhielt damals Staatsunterstützung. Zur Hebung des Handels und der Schiffahrt Stettins wurde die Swine vertieft und der Hafen Swinemünde gegründet, auch dem Schiffbau reichliche Hilfe geleistet. Auf dem Gebiete der Rechtspflege, des Kirchen- und Schulwesens gab es erhebliche Verbesserungen.

Friedrich der Große.
Kopf des von Gottfried Schadow 1793 gefertigten Mamordenkmals in Stettin, das jetzt in der Vorhalle des Pommerschen Landesmuseums steht.

Während so Mittel- und Hinterpommern unter den starken, energischen Händen der preußischen Könige aufblühten, zeigten sich im schwedischen Pommern nur geringe Ansätze wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritts. Zwar ließ die schwedische Regierung das Deutschtum unangetastet, aber wohl nur deshalb, weil Sie die ganze Provinz sich selbst überließ. Deshalb fühlte sich die Bevölkerung unter der milden schwedischen Herrschaft im großen und ganzen zufrieden, man lebte einigermaßen behaglich dahin und hielt an alten Einrichtungen und Gebräuchen fest. Bescheidener Mittelpunkt des geistigen Lebens in Vorpommern war die Greifswalder Universität, die indessen nur schwach besucht war. Schlimmer war, daß das wirtschaftliche Leben in Stadt und Land stockte. Dem Handel fehlte das Hinterland, und der Bauernstand ging infolge der rücksichtslosen Maßnahmen der Großgrundbesitzer langsam aber sicher dem Untergang entgegen. Die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter, der Tagelöhner und Instleute, war geradezu jämmerlich.