Pommerellen

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Die Frühgeschichte

Die Frühgeschichte

Pommerellen bildet den Ostteil der historischen Landschaft Pommern. Es liegt in Polen und bedeutet in etwa "Klein-Pommern". Pommerellen besteht aus der Grund- und Endmoränenlandschaft des baltischen Landrückens zwischen Persante und der unteren Weichsel. Es grenzt im Norden an die Ostsee und reicht südlich bis zur Warthe und Netze. Die hier ursprünglich wohnenden Pomoranen oder Kaschuben sind heute zu einer Minderheit gegenüber der polnischen Bevölkerungsmehrheit geworden. (siehe auch Kaschubien). Größte Stadt in Pommerellen ist die ehemalige Hansestadt Danzig.

Noch vor der geschichtlichen Zeit, die mit Sobieslaw I. für Pommerellen begann, war dieses Gebiet schon in der Zeit vor 1800 v. C. durch Menschen des nordischen Kulturkreises (Germanen) besiedelt. Aus Dänemark kommend, siedelten sie in den Gebieten von Rügen und Vorpommern. Dann wanderten sie nach Osten, der Küste entlang, in die Gebiete Hinterpommerns und von dort aus, durch die Uckermark, auch bis in den Pyritzer Weizacker. Dort trafen sie auf Ackerbauern des südosteuropäisch-donauländischen Kulturkreises.
Agrippina, der Feldherr des Augustus, machte die Weichsel als Ostgrenze der germanischen Barbaren aus. Laut Plinius wohnten die slawischen Völker ausschließlich jenseits des Flußes, wahrscheinlich waren es die Veneder des Publius Tacitus, von denen wohl der Sammelbegriff der Wenden für die Westslawen stammt.


Die Ostsee um 600 v. C

Die Ostsee, wie wir sie kennen, gab es zu jener Zeit noch nicht. Sie war ein Frischwassermeer, das noch nicht mit der Nordsee, durch den Øresund und den Großen Belt, verbunden war. Auch Rügen und Bornholm waren noch keine Inseln.

Bis 800 v. C. wurde die Wanderbewegung bis zur Weichselmündung weitergeführt. Auch Mittelpommern wurde dabei langsam besiedelt. Die Germanen betrieben, wenig kunstvoll, Ackerbau, lebten aber von der Viehzucht und der Jagd. Nach der Erschöpfung der Weidegründe oder der Jagdmöglichkeiten wechselten sie ihren Wohnsitz. Sie verließen ihre Siedlungen und wanderten in ein neues Siedlungsgebiet.  In dieser Weise waren wohl Jahrhunderte hindurch auch die Germanen umhergezogen. Ohne bestimmtes Wanderziel, ohne bestimmte Richtung, nur im Ganzen allmählich immer weiter nach Süd-Westen, weil die Wanderung nach Osten schon durch die Massen der ihnen nachfolgenden anderen germanischen Stämme vom Nord-Westen und der vordringenden slawischen Völker von Osten versperrt war.  1)

War das okkupierte Land früher schon bebaut und bewohnt oder mochte es bisher Urwald gewesen sein - in beiden Fällen verfuhren die Germanen nach dem gleichen, durch die Wirtschaftsweise vorgezeichneten, System. Sie teilten das gesamte besetzte Land in drei Gruppen: Grenzwald, Allmende und Sondereigen. Nach Erschöpfung des Sondereigens durch die nachwachsende Bevölkerung griff man zu Allmende und Grenzwald, um Bauerhöfe mit Sondereigen daraus zu schaffen. Da nun aber Allmende und Grenzwald die trennenden Außenteile des okkupierten Gesamtlandes gebildet hatten, mußte deren Verwandlung in Ackerland die bisher durch Wald, Sumpf und Wüstenei getrennten Völker zu unmittelbaren Nachbarn machen. In Freundschaft und Feindschaft mußten nun alle Beziehungen weit stärker wirken. Anziehung, Überwältigung, Zusammenschließung erfolgten viel rascher, leichter und häufiger. Jede Kraft und Bewegung in einer Völkerschaft mußte stärker auf die Zustände der Nachbarn wirken. Die Überbevölkerung konnte auf jener Kulturstufe unmöglich durch die Mittel des intensiveren und rationelleren Ackerbaus abgewendet werden. Die notwendige Folge war Hungersnot. Das einzige Mittel war die Auswanderung, sei es des ganzen Volkes oder dem Überschuß in reichere und fruchtbarere Ländereien. Und so nahmen dann die Germanen die Wanderzüge wieder auf, welche sie zuvor allmählich nach Pommern geführt hatten. Freilich war die Richtung der Wanderung nicht mehr so frei wählbar. Der Druck der von Osten her nachdrängenden slawischen, mongolischen Mass  machten nur ein Ausweichen nach Südwesten möglich. 1)

Die Rugier siedelten schon um ca. 500 vor Christi Geburt zunächst im Mündungsgebiet der Weichsel und zogen sich dann langsam, in das von den Lausitzern verlassene Gebiet in Richtung Westen bis auf die Insel Rügen zurück, die wohl nach ihnen benannt worden ist. Im Mündungsgebiet der Weichsel siedelten dafür Menschen der früh-ostgermanischen Kultur, die die westgermanische bis hinter die Rega zurückgedrängt hatten.

Goten, die aus Mittelschweden kamen, erobern das Weichselmündungsgebiet und drangen von dort bis in die Gebiete von Ostpommern vor. Sie zogen jedoch noch vor 200 nach Südrussland zurück und spalteten sich dort in West- und Ostgoten. Die Ostgoten hielten sich bis in 16. Jahrhundert auf der Krim, die Westgoten eroberten 257 die römische Provinz Dakien.

Etwa um 100 n. Chr. nennt der römische Schriftsteller Tacitus in Kap. 45 seiner „Germania“ die Goten als Bewohner des Weichseldeltas. Etwa um 200 n. Chr. begannen die germanischen Stämme das Weichselgebiet zu verlassen und wanderten nach Südosten. Viele Orts- und Gewässernamen, aber auch die Tatsache, dass die kaschubische Sprache Substratelemente aus dem Altprußischen enthält, deuten darauf hin, dass zu einer nicht bestimmbaren Zeit Prußen in Pommerellen gesiedelt haben könnten. Westslawische Stämme rückten seit etwa 600 n. Chr. in Pommerellen ein. Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert haben auch zunächst die Wikinger und dann folgend die Dänen deutliche Spuren in Pommerellen hinterlassen. Namen wie Oxhöft, Rixhöft, Heisternest und Hela (vgl. engl. "heel") haben sich bis in die Gegenwart erhalten und bezeugen dauerhafte wikingische Siedlungen. Auch die Wikinger in der östlich des Weichseldeltas gelegenen Prußensiedlung Truso und noch weiter im Innern des Prußenlandes dürften stark nach Pommerellen hinein gewirkt haben. Zahlreiche arabische Silbermünzen des 8. bis 10. Jahrhunderts, vielfach zu „Hacksilber“ zerkleinert, wurden in Pommerellen gefunden. Sie sprechen für wikingische Handels- oder Beutefahrten von Pommerellen aus bis in die arabische Welt. Auch die uralte Bernsteinstraße führte vom Samland über das Weichseldelta südwärts bis an die Adria und verband Pommerellen mit der mediterranen Welt.

Dem von dem deutschen Kaiser Otto III. in Gnesen um 1000 errichteten polnischen Erzbistum, wird das, von Herzog Boleslaw I. (Chrobry) der Polanen gegründete, Bistum Kolberg unterstellt. Erster Bischof war Reinbern aus dem thüringischen Hassgau.

Von 1002 bis 1024 wurde Heinrich II., der Heilige, (Sohn von Herzog Heinrich II. von Bayern), nachdem er sich der Reichsinsignien bemächtigt hatte, zum Deutschen König und 1014 in Rom zum Deutschen Kaiser gekrönt.

Heinrich II. führte von 1004 bis 1018 mehrere Kriege gegen Herzog Boleslaw I. von Polen. Im Frieden von Bautzen verliert Polen zwar Böhmen, kann aber das Land rechts der Elbe halten.

Mit einer schmerzhaften Niederlage für die Slawen endet ein Feldzug des Bischofs Burchard von Halberstadt im Winter 1068/69. Von Havelberg kommend, überquert er bei klirrendem Frost die Prignitz und stößt bis zum slawischen Nationalheiligtum Rethra vor. Er verwüstet Siedlung und Tempel, entführt das heilige weiße Roß und reitet darauf zurück nach Halberstadt. Für das Heiligtum Rethra, so wird berichtet, ist dies das Ende gewesen. Die Slawen halten sich nun an das Roßorakel im Heiligtum Vineta. All diese Verwüstungen bringen weder klare Verhältnisse, geschweige denn Frieden.

Die Lehnsabhängigkeit Pommerns, die ab 995 vom Herzogtum der Polanen (dem späteren Polen) bestand, endete zwischen 1025 bis 1034 und ging an Dänemark über.

Die Verfasser der ältesten polnischen Chroniken, der Gallus Anonymus (Anfang des 12. Jahrhunderts) in Krakau, Vinzenz Kadlubek, Bischof von Krakau (etwa 1200) und Boguphal, Bischof von Posen (etwa 1250), berichten von den Versuchen Polens, Pommerellen zu erobern oder sich gegen pommerellische Angriffe zu verteidigen. Gallus Anonymus nennt die Pommerellen ein heidnisches Volk, vergleichbar den Prußen. Boguphal kennt auch schon den slawischen Stamm der „Caszubitae“, also der Kaschuben. In den Berichten dieser Chronisten wird nicht zwischen West- und Ostpommern unterschieden. Danzig wird in diesen Schriften nicht erwähnt. Es ist nicht zu erkennen, ob Boleslaw I. Chrobry mehr erreicht hat, als ein gelegentliches Vorstoßen bis zur Ostsee. Vermutlich kam er bis nach Kolberg und konnte dort kurzfristig Herrschaft ausüben.

Es ist nicht zu erkennen, welche Herrschaftsstrukturen um 1000 in Pommerellen vorhanden waren und ob Danzig damals schon als Hauptort Pommerellens angesehen werden konnte. Viele Diskussionen hat die Tatsache ausgelöst, dass Johannes Canaparius in seiner Lebensbeschreibung Adalberts von Prag Danzig als "urbs" bezeichnet hat. "urbs" (Stadt) ist für die damalige Zeit in Ostmitteleuropa völlig ungewöhnlich. Man hätte "castrum" (Burg) erwartet oder "oppidum" (großer Ort). So gibt es bis heute die unterschiedlichsten Interpretationen, was "urbs" in diesem Zusammenhang bedeuten könnte. Sie reichen von "Burgsiedlung" bis zu "Mittelpunkt eines Herrschaftsterritoriums".

Als im Jahre 1000 das Erzbistum Gnesen gestiftet wurde und ihm die Suffraganbistümer Krakau, Breslau und Kolberg unterstellt wurden, wurde nicht Danzig Bischofssitz, sondern Kolberg, das bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal erwähnt wurde. Es liegt an der Mündung der Persante in die Ostsee und wird schon zu Pommern, nicht zu Pommerellen gerechnet. Erster Bischof war der Sachse Reinbern. Aber das Bistum Kolberg ist sehr bald untergegangen und wurde nicht mehr erneuert.

Danzig hat Ende des 10. Jahrhunderts in einem wie auch immer gearteten freundschaftlichen oder abhängigen Verhältnis zu Polen gestanden. Die Heidenpredigt Adalberts in Danzig im Jahre 997 und die Tatsache, dass Danzig im Jahre 1000 nicht Bischofssitz wurde, sprechen nicht für eine feste Zugehörigkeit Danzigs zu dem damals bereits christlichen Polen. Von Mieszko I. wissen wir, dass er zum Unterlauf der Oder in die Gegend von Stettin vorgestoßen war, aber das gehört nicht zu Pommerellen.

Der Gallus Anonymus spricht von langen und harten Kämpfen der Polen gegen die Pommerellen. Schließlich bildete die Kette von Grenzbefestigungen von Wyszegrod (beim heutigen Fordon) an der Weichsel, Nakel, Usch, Czarnikau, Filehne und Driesen die Grenze Polens nach Norden.

 

Das Herzogtum Pommerellen

Für die Zeit zwischen 997 und etwa 1185 gibt es keine Quellen zur Geschichte Pommerellens.

Für die Zeit von 1185 bis 1294 siehe die nachfolgenden Personenbeschreibungen der einzelnen Herzöge des Hauses der Samboriden.

 

Quellen:
Felix Dahn; Geschichte der Völkerwanderung; Emil Vollmer Verlag
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