Pommerellen

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Das Herzogtum Pommerellen

Pommerellen als Teil Polens

Mestwin II. hatte keine Leibeserben. Nach den Regeln des Lehnsrechts musste daher sein Land mit seinem Tode als „heimgefallenes Lehen“ an Brandenburg fallen. Inzwischen war er durch den Tod seiner Onkel Herrscher über ganz Pommerellen geworden. Er änderte seinen Sinn und wollte den Heimfall Pommerellens an Brandenburg verhindern. Daher übertrug er am 15. Februar 1282 im Vertrag von Kempen durch eine „donatio inter vivos“ (Geschenk unter Lebenden) sein Land an Przemyslaw II., den Neffen und Nachfolger Boleslaws des Frommen von Großpolen-Kalisch. Dieser sollte nach dem Tode Mestwins die Herrschaft in Pommerellen übernehmen. Brandenburg erkannte diesen Vertrag nicht an, weil er gegen die Treuepflicht aus dem Lehnsverhältnis verstieß.

Dem Deutschen Orden musste Mestwin II. aufgrund des Schiedsspruchs eines päpstlichen Legaten am 18. Mai 1282 das Land Mewe, das Große Werder und einen Teil der Frischen Nehrung abtreten. Dieses Land hatte Mestwins Onkel Sambor II. dem Orden bereits 1276 geschenkt. Der Orden erbaute noch im selben Jahr das Komturschloss Mewe und fasste damit Fuß auf dem linken Weichselufer.

Am 25. Dezember 1294 verstarb Mestwin und Przemyslaw II. gliederte den größten Teil Pommerellens seinem Machtbereich ein. Brandenburg erhob Einspruch.

Am 26. Juni 1295 wurde Przemyslaw II. in Gnesen durch den Erzbischof Jakub Swinka zum König gekrönt. Er herrschte über Posen und Gnesen-Kalisch und eben über große Teile Pommerellens.

Im Februar 1296 wurde Przemyslaw II. von oppositionellen Adligen, den Zaremba und den Nałęcz, in Rogasen (Rogozno) ermordet. Dahinter sollen die Markgrafen von Brandenburg oder Wenzel II. von Böhmen gesteckt haben.

Da Przemyslaw II. nur die Tochter Rixa Elisabeth hinterließ, begann ein Kampf um seine Nachfolge, aus dem Wenzel II. von Böhmen als Sieger hervorging. Er nahm 1300 Großpolen und Pommerellen in Besitz, verlobte sich mit Rixa Elisabeth und ließ sich von Jakub Swinka in Gnesen zum König krönen. Zur weiteren Sicherheit nahm er noch 1300 seine polnischen Gebiete von König Albrecht I. als Lehen an. Er kehrte nach Prag zurück und ließ sich in den polnischen und pommerellischen Gebieten durch „Capitanei“ (Starosten) vertreten. Die Verwaltung Pommerellens hatte er dem einheimischen Palatin von Danzig, „Pan“ Swęca, übertragen. Dieses einheimische Geschlecht der "Swenzonen" hatte, gestützt auf Neuenburg und umfangreiche Ländereien im Flussgebiet der Brahe mit Tuchel, Größe und Macht eines selbständigen Fürstentums erlangt.

Als Wenzel II. im Juni 1305 plötzlich starb, folgte ihm sein 16jähriger Sohn Wenzel III. nach. Dieser ernannte einen Sohn des alten Swęca, Peter von Neuenburg, zum Hauptmann von Pommerellen. Inzwischen drang Władysław Łokietek von Südosten nach Großpolen ein. Wenzel war bereit, die Hilfe des Deutschen Ordens gegen ihn anzunehmen. Er selbst rüstete sich zu einem Zug gegen Władysław Łokietek, wurde aber im August 1306 in Olmütz ermordet. Łokietek konnte im Winter 1306/1307 Pommerellen besetzen, wo er das mächtige Geschlecht der Swenzonen (Święca) entmachtete. Diese schlossen im Juli 1307 einen Übergabevertrag mit Waldemar von Brandenburg. Peter trieb Brandenburg an, seine Lehnsansprüche auf Pommerellen erneut geltend zu machen.

Brandenburgische Truppen unter den Markgrafen Otto und Waldemar besetzten im Sommer 1308 die strategisch wichtigsten Punkte. Die überwiegend deutsche Stadt Danzig öffnete ihnen die Tore; die polnisch-kaschubische Besatzung der etwa 300 Meter entfernt gelegenen Burg mit dem Landrichter Bogussa und anderen kaschubischen Amtsträgern konnte widerstehen. Władysław Łokietek war nicht in der Lage, seinen Statthaltern in Pommerellen Hilfe zu leisten.

Auf den Rat des dem Polenherzog treu ergebenen Dominikanerpriors Wilhelm bat der Landrichter Bogussa mit Zustimmung Łokieteks den Deutschen Orden gegen Ersatz der Kosten um Hilfe. Im August 1308 kam Gunther von Schwarzburg, der Landkomtur von Kulm, mit Truppen nach Danzig, verstärkte die Besatzung der Burg und nötigte die Brandenburger im September zum Abzug. Die Ordensritter bekamen jedoch wegen der Kostenerstattung mit der polnisch-kaschubischen Besatzung Streit und drängten sie aus der Burg, die sie fortan selbst besetzt hielten.

Inzwischen war unter dem Landmeister Heinrich von Plotzke eine starke Streitmacht aufgestellt worden. Sie belagerte die deutsche Stadt Danzig. Vieles spricht dafür, dass zumindest 16 kaschubische Ritter der verdrängten Burgbesatzung mit ihren Angehörigen Aufnahme in der Stadt gefunden hatten.

Am 13. November 1308 wurde die Stadt vom Orden eingenommen. Dabei wurden 16 kaschubische Ritter und eine unbekannte Zahl von in der Stadt weilenden Polen und deutschen Bürgern getötet. Die deutschen Bürger mussten ihre Häuser zerstören und die Stadt verlassen, die Ritter legten die Stadtbefestigung nieder. Erst nach zwei Jahren durften die Bürger zurückkehren und ihre Stadt auf dem Gelände der Rechtstadt wieder aufbauen.

Die Anzahl der bei der Einnahme Danzigs vom Orden getöteten Menschen ist jahrhundertelang ein Streitpunkt zwischen deutschen und polnischen Historikern gewesen. Schon 1310 verklagte der polnische König den Orden beim Papst. Der erste Prozess fand bereits 1310 – 1312 in Riga statt. In der Bulle Papst Clemens V. vom 19. Juni 1310 wird von zehntausend Ermordeten gesprochen. Diese Zahl hat der polnische Geschichtsschreiber Długosz kritiklos übernommen und das Ereignis legendenhaft ausgeschmückt. Die unwahrscheinlich große Zahl von 10.000 ist sicher ein Irrtum. Heute nehmen auch polnische Historiker an, dass die Zahl der Getöteten bei etwa einhundert gelegen haben dürfte.

Die Inbesitznahme der Danziger Burg und die Einnahme der Stadt mit den dabei verübten Straf- oder Racheakten wird im kollektiven polnischen Geschichtsgedächtnis als Verrat angesehen und hat eine schmerzende Wunde hinterlassen, obwohl die Mehrzahl der getöteten Menschen doch Deutsche gewesen sein müssen.

Der Orden besetzte 1309 ganz Pommerellen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Łokietek konnte die sehr hohe vom Orden geforderte Kriegsentschädigung nicht zahlen. Andererseits kaufte der Orden dem brandenburgischen Markgrafen Waldemar dessen Ansprüche aus dem heimgefallenen Lehen im Vertrag von Soldin (13. September 1309) für die hohe Summe von 10.000 Mark ab.

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen beruhten nicht in erster Linie auf ethnischen Divergenzen. Der Orden hat ja auch die deutschen Bürger Danzigs nicht geschont. Es lag in der Zeit, dass alle Herrscher auf Vergrößerung ihrer Territorien unter Anwendung aller Mittel bedacht waren. So blieben denn auch die kujawischen Fürsten, Verwandte Łokieteks, in guten Beziehungen zum Orden und verkauften ihm ihren Landbesitz in Pommerellen. Herzog Leszek von Kujawien-Inowracław verkaufte dem Orden 1317 sogar das Michelauer Land. Andererseits hat Polen den Verlust Pommerellens nie verwinden können.

Quellen:
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