Pommerellen www.pommerninfo.de Swantepolk II. von Pommerellen

Swantepolk II.

Herzog von Pommerellen-Danzig
von 1220 bis 1266
 
Geboren am : ca. 1195
Geboren in :  
Gestorben am : 10. Januar 1266
Gestorben in :  

Swantepolk II. (auch Swantopolk, Svatopluk, Swietopelk) wurde ca. 1195 als Sohn des Mestwin I. und der  Zwinislawa von Mecklenburg geboren.  Er hatte drei Brüder (Sambor II., Wartyslaw I. und Ratibor) und fünf Schwestern (Jadwiga , Witoslawa, Miroslawa, Zwinislawa und Anastazja).

Er heiratete vor 1220, in erster Ehe, Salomea Romanovich 2), Tochter von Roman Mstislavich Prinz von Galich und der Predslava Rurikovna. 2)

Kinder:
Mestwin II.  
Euphemia: ca.1248 - ca.1261, verheiratet mit Jaromar II., Fürst von Rügen

In zweiter Ehe heiratete er, vor 1225, Euphrosina, eine Schwester des Fürsten Odonicz von Großpolen-Gnesen. 2)

Kinder:
Hedwig: 2)

 verheiratet mit Knud Valdemarssen von Dänemark, Herzog von Estland, illegitimer Sohn von Valdemar II., "Der Eroberer" König von Dänemark und seiner Mätresse Helene Guttormsdotter (1211-15 Oktober 1260, beigesetzt in der Kirche von  Ringsted). 3) 

In dritter Ehe war er mit Ermengarda von Schwerin, Tochter von Heinrich I. von Schwerin und der Audacja von Kujawien und Schlawe, verheiratet. 2)

Kinder:
Wartyslaw II.  
Zwinisława: verheiratet mit Dobiesław, Sohn von Sad, Lord von Tega und Otorów, nahe Wyszogród
Johannes: 2) -
Dambroka: 2) -
unbekannt: 2) verheiratet mit Heinrich Graf von Kirchberg auf der Hainleite (-1277). 

 

Swantepolk II. der Große (* ca. 1195; † 10. Januar 1266) der älteste unter den Söhnen von Mestwin I. aus der Dynastie der Samboriden.

Nach dem Tode Mestwins I. wurde sein Herrschaftsgebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt. Swantepolk erhielt das nördliche Pommerellen mit der Burg Danzig (Gdansk), Wartyslaw Schwetz (Swiecie), Sambor II. das Gebiet Liebschau (Lubiszewo) und Ratibor Burg und Bezirk Belgard a. d. Leba (Bialogarda). Mestwin hatte bestimmt, dass Swantepolk als der Älteste zwanzig Jahre lang die Vormundschaft über seine Brüder ausüben sollte. Das tat er aber nur zwölf Jahre lang. Differenzen zwischen den Brüdern führten zu einem jahrelangen Bruderkrieg. Swantepolk erweiterte sein Herrschaftsgebiet nach Westen und nach Süden.

Er erwarb spätestens im Sommer 1227 eine Erbschaft nach dem Erlöschen des benachbarten Herrscherhauses in Stolp (Slupsk) und Schlawe (Slawno) in Pommern bis zur Persante.

Befreiung von dänischer und polnischer Oberhoheit

Swantepolk vertrieb die Dänen aus Kassubien, nachdem die Vorherrschaft Dänemarks in Pommern und Pommerellen 1227 nach der Schlacht bei Bornhöved zusammengebrochen war. Im Bündnis mit seinem Schwager Wladyslaw Odonicz, Ehemann seiner Schwester Jadwiga,  überfiel er 1227 die in Gonsawa in der Nähe von Gnesen versammelten polnischen Fürsten. Leszek der Weiße von Kleinpolen (siehe auch Krakau) fand dabei den Tod, angeblich durch einen von Swantepolk initiierten Mordanschlag. Dadurch hatte Swantepolk die volle Unabhängigkeit sowohl von Dänemark als auch von Polen errungen. Er und sein Bruder Sambor II. trugen seither den Titel „dux Pomeranorum“. Nur die kirchliche Verbindung blieb durch das polnische Bistum Leslau (Wloclawek) bestehen.

Kämpfe gegen die Prußen

1224 fielen die Pruzzen in sein Gebiet ein und zerstörten die Klöster Oliva (Oliwski) und Zuckau (Żukowo) und töteten die Mönche und Nonnen. Swantepolk verbündete sich zunächst mit dem Deutschen Orden, der 1231 im Kulmer Land auf dem rechten Weichselufer die Burg Thorn erbaut hatte und führte mit diesem Krieg gegen die Pruzzen. Er besaß die Burgen Zantir (im Knie zwischen Weichsel und Nogat, Sartowitz und Schwetz (Swiecie) am Weichselufer. Im Winter 1233/1234 nahm er mit seinem Bruder Sambor, dem Deutschen Ritterorden und vielen polnischen Fürsten an einem Kriegszug gegen die Pruzzen teil. In der Winterschlacht bei Christburg an der Sirgune (Sorge), dem südlichen Zufluss in den Drausensee, haben Swantepolk und Sambor maßgeblich zum Siege beigetragen, weil sie „Erfahrung im Kampf mit den Pruzzen hatten“, wie der Ordenschronist Peter von Dusburg schreibt. Im Jahre 1236 tauschte Swantepolk mit dem Orden seine Besitzungen im Gebiet von Kulm gegen einen Teil Warmiens (Ermlands) am Frischen Haff.

Krieg gegen den Deutschen Ritterorden und Bruderkrieg

Kurz nach 1236 wechselte Swantepolk jedoch die Seite und begann, gegen den Orden zu kämpfen. Im Jahre 1237 wurde er daraufhin mit dem Kirchenbann belegt. Das ergibt sich aus einer Bulle Papst Innozenz IV. vom 1. Februar 1245. Der Bann ist wohl nach dem endgültigen Friedensschluss mit dem Orden im Jahre 1253 aufgehoben worden.

Die Expansionspolitik Swantepolks machte vor seinen Brüdern nicht Halt. 1238 kam es zum Bruderkrieg. Swantepolk eroberte Belgard (Bialogarda), den Sitz seines Bruders Ratibor, verbrannte die Burg und fügte das Gebiet Ratibors seiner Herrschaft hinzu. Seinen Bruder Ratibor hielt er eine Zeitlang gefangen.

Sambor II. hatte mit Unterstützung des Ordens südlich von Dirschau (Tczew) die Burg Gerdin (Gorzedziej) gebaut, die von Ordensrittern und von Sambors Kriegern besetzt wurde. Swantepolk beanspruchte als oberster Landesherr alle festen Plätze in Pommerellen zur besseren Landesverteidigung. Er erstürmte die Burg Gerdin (Gorzedziej) und nahm seinen Bruder Sambor gefangen, musste ihn aber auf Verlangen des Ordens wieder freigeben. Die Bruderkämpfe dauerten an, erst 1248 versöhnte Swantepolk sich mit seinen Brüdern.

Im Jahre 1242 kam es unter Swantepolks Mitwirkung oder Führung zum ersten großen Pruzzenaufstand gegen den Orden. Der Ordenschronist Peter von Dusburg berichtet im dritten Teil seiner „Chronica Terre Prussie“ von den schweren und wechselvollen Kämpfen, die der Orden von 1242 bis 1253 gegen Swantepolk geführt hat. Am 28. August 1243 schloss der Orden mit Herzog Kasimir von Kujawien und Swantepolks Brüdern Sambor und Ratibor ein Bündnis gegen Swantepolk.

Papst Innozenz IV. ermahnt 1245 Herzog Swantepolk, von der Bekriegung des Deutschordens abzustehen und befiehlt dem Erzbischof von Gnesen und seinen Suffraganen, den Herzog von der weiteren Befehdung des Deutschordens abzumahnen, und – falls er nicht gehorcht – ihn feierlich zu exkommunizieren. Papst Innozenz IV. trägt 1248 den Bischöfen von Kammin, Lebus und Kulm auf, die Streitsache des Deutschordens in Preußen und des Herzogs Swantepolk, die bisher durch Sachwalter am römischen Hof geführt wurde, durch Beweisaufnahme an Ort und Stelle weiterzuführen und zu beendigen. Herzog Swantepolk beurkundet 1248 dem päpstlichen Nuntius u. a. geschworen zu haben, daß er den Schiedspruch des Erzbischofs von Gnesen und des Bischofs von Kulm annehmen wolle, wenn sein Sohn ihm zurückgegeben wird, und daß er mit dem Deutschorden und dessen bisherigen Verbündeten immer Frieden halten wird. 1248 kommt es zu einem Prozeß gegen Herzog Swantepolk auf Klage seiner Brüder vor dem päpstlichen Nuntius Jakob, Archidiakon zu Lüttich. Die Bischöfe von Kujawien und von Kulm transsumieren zwei von Swantepolk im Termin 7. Dezember 1248 eingesandte Schriftstücke und verlautbaren, daß der Herzog für "contumax" erklärt ist, daß diese für ungenügend befunden worden seien und eine Verhandlung mit ihm in Ermangelung einer Vertretung nicht habe stattfinden können. Dieser konstatiert die mit Swantepolk geführten Verhandlungen und deren Fruchtlosigkeit und erklärt, daß er ihn infolgedessen exkommuniziert habe.

Der päpstliche Nuntius, Archidiakon Jakob von Lüttich vermittelte einen Frieden, der am 24. November 1248 geschlossen wurde. Nochmals einsetzende Feindseligkeiten wurden durch den Vertrag vom 30. Juli 1253 endgültig beigelegt. Swantepolk trat alle pruzzischen Gebiete mit der Burg Zantir an den Orden ab, behielt aber das Weichseldelta. Die Grenze des Fürstentums verlief an Weichsel und Nogat in der Mitte der Flüsse. Swantepolk trat auch Nakel (Naklo Nad Notecia) und Wyszegrod (heute: Fordon) auf dem linken Weichselufer bei Bromberg (Bydgoszcz) ab, bewahrte jedoch die Integrität und Unabhängigkeit Pommerellens und stärkte seine Position. Er behielt Schlawe (Slawno) und Stolp (Slupsk).

Landesausbau und Gründung der deutschen Stadt Danzig

Im Inneren stärkte Swantepolk seinen Herrschaftsbereich durch die Förderung deutscher Kaufleute in Danzig (Gdansk). Durch die Zölle auf den Handel vermehrte er seine Einnahmen. Am 22. Januar 1227 übergab er dem vor kurzem gegründeten Predigerorden der Dominikaner die zur deutschen Kolonie gehörende Nikolaikapelle mit dem umliegenden Grund. In der Schenkungsurkunde tritt als Zeuge ein "Schulze Andreas" auf. Das wird, neben anderen Indizien, von einem Teil der Forscher als Beweis dafür angesehen, daß es zu diesem Zeitpunkt schon eine sich selbst verwaltende deutsche Gemeinde neben der alten slawischen Stadt gab. Andere Forscher setzen die Gründung der deutschrechtlichen Stadt später an, spätestens für 1263. In diesem Jahr ließen sich die Bürger der deutschen Stadt (sicher mit Genehmigung oder sogar auf Veranlassung Swantepolks) eine Abschrift des Lübecker Rechts schicken. Unstreitig ist, daß Swantepolk den Deutschen das Stadtgründungsprivileg zu Lübecker Recht gewährt hat. Eine Stadtgründungsurkunde ist nicht erhalten. Die deutsche Stadt entstand auf dem breiten Sandrücken, der sich von Neugarten bis an die Mottlau erstreckt, zunächst auf dem oberen Langen Markt.

Der 4. August ist der Tag des hl. Dominikus. Seit dem 5. August 1260, also seit den Tagen Swantepolks, wird alljährlich um diese Zeit der "Dominik", ein Jahrmarkt und 14tägiges Volksfest gefeiert.

Tod und Nachfolge

Swantepolk starb am 10. Januar 1266. Es fand eine prunkvolle Zeremonie statt, wie es in den Olivaer Tafeln aufgezeichnet ist. Von der Burg wurde der Leichnam in die „Kirche der Stadt Danzig“ (Katharinenkirche) getragen. Dort wurde eine Totenmesse gehalten. Dann wurde der Leichnam zu den Brüdern überführt, die ebenfalls eine Messe zelebrierten. Damit sind die Dominikaner in der Nikolaikapelle gemeint. Anschließend wurde der Leichnam "zu den Bürgern", also in die deutschrechtliche Stadt, geführt, in deren Kirche der Priesterorden nochmals eine Messe las. Es heißt, dass bei dieser Totenfeier alles Volk, Slawen und Deutsche, Junge und Alte, weinte und heulte. Den Leichnam trugen Vertreter der edelsten Geschlechter der Slawen oder Kaschuben. Swantepolk wurde in der Klosterkirche in Oliva (Oliwski) beigesetzt.


Swantepolk II ("der Große") im Park zu Oliva

Im Laufe seiner langen Herrschaft hatte Swantepolk seine Söhne an der Herrschaft teilnehmen lassen. Er übertrug seinem Sohn Mestwin II., dem Ältesten, das Gebiet Schwetz (Swiecie), Wartyslaw, dem Jüngsten, Danzig (Gdansk). Das führte zu einem Bruderkrieg nach Swantepolks Tod, in dessen Verlauf Mestwin II. Danzig (Gdansk) 1271 eroberte. Wartyslaw floh nach Kujawien, wo er bald (noch 1271) starb.

 

@ MapQuest

 

@ MapQuest

Belgard a. d. Leba
(Bialogarda)

Danzig
(Gdansk)


Dirschau
(Tczew)

Fordon
(Wyszegrod)

Gerdin
(Gorzedziej)

Hohensalza
(Inowroclaw)


Liebschau
(Lubiszewo)

Nakel
(Naklo Nad Notecia)

Oliva
(Oliwski)


Stolp
(Slupsk)

Schlawe
(Slawno)

Schwetz
(Swiecie)

Zantir

Zuckau
(Żukowo)

Lage einiger der genannten Orte
im heutigen Polen

Quellen:
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
2)
MEDIEVAL LANDs - http://fmg.ac/Projects/MedLands/POMERANIA.htm#EuphemiaPommerellendied1317
3)  Brenner, S. 15.  Sie ist ohne Namen in ES III.6. http://www.american-pictures.com/genealogy/persons/per05203.htm#0
4) Preußische Regesten - PrUB 1.1.160 bis PrUB 1.1.216

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