1. Das Riesenschiff Nackelfragar
Vor vielen hundert Jahren, die Zeit weiß man nicht mehr genau, ließ sich in der Ostsee einmal ein ungeheures Riesenschiff sehen. Die einen sagen, das sei zu der Zeit gewesen, als hier noch lauter Heiden wohnten. Die anderen erzählen, das sei noch viel früher gewesen, damals als Rügen und Pommern noch zusammenhingen. Von England soll das Schiff gewesen sein.
Nun, soviel steht fest, das Schiff war so groß, wie weder vorher noch nachher je eins gebaut worden ist, und unsere größten Kriegsschiffe von heute sind dagegen nur eine Walnußschale. Das Schiff hatte viele Masten, wie Kirchtürme so dick, die bis in die Wolken ragten, und Matrosen waren darauf soviel, als Leute in einer ziemlich großen Stadt wohnen. Wenn der Kapitän dem Steuermann einen Befehl geben wollte, dann mußte ein Reiter sich aufmachen und den Befehl unterwegs durch ein Trompetensignal Weitergeben. Wenn er aber das ganze Deck entlang reiten mußte, dann dauerte es 14 Tage, bevor er wieder zurück war. Ganz schlimm aber war es, wenn das Schiff einmal wenden sollte und die Segel umgelegt werden mußten. Wenn dazu ein Schiffjunge in den höchsten Mastkorb geschickt wurde, war er, unten wieder angekommen, ein alter Mann geworden. Darum waren in den Mastkörben Herbergen für die Matrosen eingerichtet, in denen sie wohnten. Und die Mastkörbe waren so groß, daß auch gleich Felder und Wiesen mit Kühen und Schafen um die Herbergen lagen.
Das Riesenschiff war einmal in die Ostsee gekommen, nicht weit von der Küste, wo heute Rügenwalde liegt, aber dem Kapitän wurde angst, ob er auch wieder glücklich herauskommen würde. Er ließ deshalb deshalb auf der breitesten Stelle in der Ostsee wenden. Das war auf der Höhe von Bornholm, das aber damals noch nicht da war. Dabei ließ der Oberkoch die Abfälle aus der Kombüse hinauswerfen. Das wurde ein Haufen, der bis auf den Meeresgrund hinabreichte und dennoch aus dem Wasser heraussah, und den nannte man später Bornholm. Aus dem letzen, was da zusammengefegt wurde, entstand die kleinen Inseln Aertholm und Christiansö.
Als der Kapitän durch den Sund hereingekommen war, da war er knapp durchgekommen, aber bei der Rückfahrt stieß das Schiff doch an und blieb stecken. Da ließ er alle Matrosen aussteigen und das Schiff loswuchten. Davon rühren noch heute die Einschnitte an der dänischen und schwedischen Küste her. Dann kam das Schiff in die Nordsee, saß aber auch bald wieder fest zwischen Dover und Calais. Da ließ der Kapitän an die tausend Lasten Schmierseife holen und damit die Breitseiten einschmieren. Nun kam das Schiff mit vieler Mühe los, aber die Seife setzte sich an die Küsten fest, und davon sehen sie noch heute so weiß aus. Wohin der Sturm das Schiff dann endlich getrieben, das weiß man nicht genau. Einige meinen, es wäre untergegangen und seine Mastspitzen ragten als Inseln aus dem Weltmeere hervor.