11 Die Rügenwalder verschließen König Erich die Tore.

Über König Erich sind noch heute mancherlei Geschichten unter der Strandbevölkerung lebendig. Er soll von überaus großer, schöner und stattlicher Gestalt gewesen sein. Mit seiner Gemahlin lebte er in Unfrieden, und sie starb früh. In Rügenwalde führte er eine prächtige und glänzende Hofhaltung. Er fühlte sich immer noch als König und ließ darum das Schloss ausbauen und stark befestigen, sogar Donnerbüchsen schaffte er an.

Die Lust nach Abenteuern verließ ihn nicht. Darum verkleidete er sich öfter und besuchte abends unerkannt die Stadt. Das brachte die Bürgersleute endlich so auf, dass sie ihm das Tor verschlossen, das am Schlossgraben in die Stadt führte. Das Verdroß ihn mächtig. Er ließ auf dem Walle zwischen Schloss und Stadt Geschütze auffahren und beschoß mit steinernen Stückkugeln die Stadt und das Tor. Die Bürger richteten allerlei Schanzzeug dagegen auf, aber es half ihnen nichts. Dann ließen sie ihn um Unterhandlung bieten. Als das der König hörte, konnte er das Lachen nicht verbeißen, strich seinen Bart und sagte: "Ach, was wollen wir tun? Haben wir drei Königreiche verloren und müssen des Geduld haben, warum können wir auch mit diesen unverständigen Flecken nicht auskommen. Es sind Schälke, wir wollen uns mit Ihnen vertrage." Dann verzieht er den Bürgern ihren Übermut.