Davon erzählt uns ein alter Fahrensmann: Klabautermann, so haben es mir die alten Seeleute erzählt, sollen die Seele von einem Kind sein, das totgeboren oder noch vor der Taufe gestorben ist. Wird nun ein solches armes Kind begraben und wächst nun auf dem Hügel ein Baum und wird dieser dann zu einem Schiff, dann lebt die Seele als Klabautermann auf diesem Schiff weiter.
Zu sehen kriegt man ihn ehr selten. Er soll knapp 2 Fuß hoch sein, eine rote Jacke anhaben und weiße Schifferhosen tragen. Dazu hat er einen großen runden Hut. Andere wollen Wissen, das er ganz nackt ist. Er ist der Schutzengel für das ganze Schiff und seine Besatzung. Ist der Schiffer mit seinen Leuten in Gefahr und schläft noch in seiner Kajüte, denn kommt der Klabautermann, stößt ihn an, das er aufwacht und nach dem Rechten schaut. Das weiß die Mannschaft auch, und wenn es unten im Laderaum rumort, denn sagt man: "Hört, da ist er wieder!".
Die Mannschaft versucht sich mit ihm gut zu stellen. Er soll uns helfen, wenn es nötig ist: Beim Einholen von den Segeln, wenn Sturm aufkommt und bei aufwinden vom Anker. Darum setzt man ihm des Nachts sein Lieblingsessen hin, und wenn vom Teller gegessen wurde, dann weiß die Mannschaft, das er es gut mit ihnen meint.
Die jungen Leute, die heute anheuern, glauben nicht mehr daran, darüber wird ihm so manches beigebracht. So einem Jungen stellen wir denn spät Abends in den Auskuck, so das er einnickt. Dann legen wir ihm eine Leine um den Körper und ziehen sie mit einem Mal an. Er bekommt davon einen tüchtigen Schrecken, und wir Grinsen und sagen: "Siehst du, das war der Klabautermann!"
Der Klabautermann bleibt an Bord, so lange alles gut geht. Kommt aber Gefahr auf, und er weiß, das es dagegen keine Hilfe gibt, dann gibt er dem Schiff und seinen Leuten ein Zeichen. Er steigt nämlich auf den höchsten Mast und stürzt sich von dort ins Wasser. Dann weiß jeder an Bord, daß es mit dem Schiff zu Ende geht, und jeder Fahrensmann sucht dann seine Sachen zusammen.
Auf einem Schoner hat man mir erzählt: "Bei uns kannst du den Klabautermann sehen! So man Abends zwischen 11 und 12 am Spilloch heruntersiehst. Dann siehst man ihn unten stehen. Er ist die meiste Zeit Nackt und will auch so bleiben. Schmeißt ihm bloß keine alte Hose oder eine Jacke hin. Dann wird er sehr ärgerlich und denkt du willst ihn anführen!"
Was der Fahrensmann glaubt.
Wir Fahrensleute sind zwar nicht abergläubisch, aber wir haben so unsere eigenen Ansichten über die Dinge. So sehen wir es gerne, das an Bord ein Huhn rumläuft. Das soll eine schnelle Reise bringen. Wenn es verschwindet, denn passiert bald ein Unglück an Bord.
Freitags gehen wir nicht gern in See. Das gibt immer eine schlechte Reise mit viel schlechtem Wetter und lange Fahrt.
Ratten sind wohl auf jedem Schiff und wir habe so manchen Ärger mit ihnen. Aber wenn sie in hellen Scharen das Schiff verlassen, dann wissen wir, das das Schiff nicht mehr zum nächsten Hafen hinkommt.
Ganz schlimm wird es aber erst, wenn der Kapitän seine Frau mitnimmt. Wenn er mit ihr an Bord kommt, denn kratzen wir uns alle "Achtern" und sagen bloß: "Nun ist es aber richtig. Wir werden schön was erleben!"