9. Der Schatz im alten Herzogschlosse.
Im alten Schloss zu Rügenwalde sollten noch heute große Schätze verborgen liegen, die von König Erich herstammen. Der war aus seinen drei Königreich Schweden, Dänemark und Norwegen vertrieben worden und hatte sich auf der Insel Gotland das feste Schloss Wisborg erbaut. Oben auf den Schlosse stand eine Gans von lauterem Golde. Die Schätze der drei Reiche hatte er mit sich in das feste Schloss genommen. Von dort aus unternahm er kühne Raubzüge und überfiel sengend und plündernd die Bewohner an den Küsten seiner ehemaligen Länder.
Darum belagerten ihn die Schweden in seinem Raubschlosse. Als das seine Untertanen in Rügenwalde und Stolp hörten, rüsteten sie sieben Kriegsschiffe aus und schickten sie ihm zur Hilfe. Da tat es den Schweden und Dänen leid, dass sie ihn vertrieben hatten; denn sie fürchteten er würde sich Hilfe vom Kaiser holen. Sie baten ihn, er solle doch bei ihnen bleiben, alles solle vergeben und vergessen sein. Aber der König wollte nicht. In der Nacht ließ er die goldene Gans vom Schlossturm holen und dazu alle anderen Schätze auf die pommerschen Schiffe bringen.
Diese Schätze sollen ungeheuer groß gewesen sein: erstlich ein Jesusbild, wie ein Knabe von 15 Jahren so groß, von eitlem Golde; außerdem 12 Apostel, wie Kinder so groß, von eitlem Silber; ein ganzes Einhorn, eine Monstranz von eitlem arabischen Golde, ein guldener Pfennigk, über 100.000 Gulden wert, den die Königin mitbrachte, die goldene Gans und all sein Silbergeschirr und Kleinodien.
Damit ist er heimlich nach Pommern gefahren. Als das am Morgen die Dänen und Schweden sahen, sind sie ihm gefolgt, weil sie ihn zurückholen wollten. Aber es entstand ein großes Unwetter, dass alle ihre Schiffe verschlagen wurden und der König ihnen entkam. Vor der Münde gingen zwei Schiffe mit vielen Schätzen unter. Die liegen da noch heute in Meere versunken im Sande des äußeren Reiffes. Bei einem großen Sturme soll einmal ein kleiner Teil davon losgespült und an den Strand geworfen sein. Ein Bauer aus der Umgegend hatte es gefunden und ist sehr reich geworden.
Die übrigen Schätze brachte König Erich mit sich auf das Schloss. Mit einem Teile hat er die Schlosskapelle herrlich ausschmücken lassen. Dort standen an die 100 Jahre im Monstranz und das Einhorn. Einen anderen Teil schenkte er dem Kloster Marienkron. Den größten aber bewahrte er in einem geheimen Gemach im Schlossturm. Dort zeigt man noch heute eine dunkle Kammer, die von einem Rundgang umgeben ist, in dem sich vormals bei Tag und Nacht Wächter aufhielt.
Als später die Herzogin Sophie vor ihrem Sohne Bogislaw X. floh, sollte sie diese Schätze mitgenommen haben. Andere behaupten, diese Schätze ruhen noch heute im verborgenen in der Erde vergraben oder in einem unbekannten unterirdischen Gewölbe. Als man vor 200 Jahren den Sarg des Königs in der Fürstengruft erneuerte, soll man eine goldene Taube gefunden haben, die nach Berlin geschickt wurde, von da haben sie die Franzosen mitgenommen.
